Allgemeines und Biologie


Allgemeines

Das Hauskaninchen stammt vom Europäischen Wildkaninchen ab, dessen Heimat das südwestliche Europa ist. Zusammen mit den Feldhasen gehört es zu der Familie der Leporiden.
Der Name des Kaninchens läßt sich weit in die Geschichte zurückverfolgen, und zwar bis zu den Phoeniziern, die als erstes Kulturvolk mit den Kaninchen Bekanntschaft machten. Als sie das heutige Spanien entdeckten, verwechselten sie das dort in großer Zahl lebende Kaninchen mit dem ihnen bekannten "kleinen grauen Klippschliefer", einem Huftier der kleinasiatischen Heimat der Phoenizier, weswegen sie die Kaninchen zunächst als, hebräisch, "Saphan" und das Land als "Ishephanim" = Küste der Klippschliefer bezeichneten, was eigentlich heißen sollte: Küste der Kaninchen. Diese Bezeichnung wurde von den Römern übernommen, wodurch das lateinische Wort "Hispania" entstand, was folglich korrekt übersetzt Kaninchenland heißt. Aus dem spanischen Wort "unchi"/"conejo" machten die Römer den lateinischen Begriff "cuniculus", der sich auch in der zoologischen Systematik durchsetzte und bis heute Gültigkeit hat.
Die Domestikation läßt sich bis in die Römerzeit zurückverfolgen, wo in sog. "Leporarien" gefangene Wildkaninchen gehalten wurden, ohne Zuchtauswahl und in reiner Gehegehaltung, d. h. es gab eine Vermehrung von Wildkaninchen in Gefangenschaft. Die eigentliche Haustierwerdung geschah um 1000 n. Chr., wo in französischen Klöstern eine Zuchtauswahl nach Zahmheit und Anpassungsvermögen durch Mönche praktiziert wurde. In Deutschland sind Kaninchen erstmals um 1150 n. Chr. erwähnt. Im 16. Jahrhundert wurden Kaninchen bereits in vielen verschiedenen Farben gezüchtet. Seit der Römerzeit wird es wegen der Schmackhaftigkeit seines Fleisches und seiner großen Vermehrungsrate als Haustier gehalten, eine eigentliche Zucht gibt es aber erst seit etwa 1000 Jahren. Seit dem 16. Jahrhundert wird in Europa auch nach Farbe und Fellqualität gezüchtet.
Heute ist das Kaninchen über die ganze Welt verbreitet. Es gibt über 100 verschiedene Zuchtvariationen, die Bandbreite reicht vom etwa 1 kg schweren Zwergkaninchen bis zum Deutschen Riesen mit einem Gewicht bis zu 8 kg. Neben der Farbe ist auch die Haarlänge ein Zuchtmerkmal, sie geht vom kurzhaarigen Rexkaninchen bis zum langhaarigen Angorakaninchen, das als Wollproduzent einen besonderen Marktwert hat.
Kaninchen sind Höhlenbewohner, die sie mit ihren kräftigen Vorderläufen graben. Zahlreiche Eingänge und Röhren führen zu einem zentralen Wohnkessel. Sie sind dämmerungs- bzw. nachtaktiv und leben in Kolonien, bilden aber keine Großfamilien.

Zoologische Stellung

Klasse: Mammalia (Säugetiere)
Unterklasse: Plazentatiere
Ordnung: Lagomorpha = hasenartige Doppelzähner
Familie: Leporidae
Gattung: Lepus europaeus (Feldhase)
Gattung: Lepus timidus (Schneehase)
Gattung: Oryctolagus cuniculus (europ. Wildkaninchen)

Kaninchen gehören somit NICHT zu den Nagetieren!
(Ordnung: Rodentia = Nagetiere = Einfachzähner wie Eichhörnchen, Mäuse, Hamster, Murmeltiere, Biber und auch das Meerschweinchen)

Geschlechtsbestimmung

Das Geschlecht von Kaninchen läßt sich recht einfach, im Prinzip schon ab dem ersten Lebenstag eindeutig bestimmen. Dazu hält man das Kaninchen am Schwänzchen fest und zieht die Haut im Geschlechtsbereich etwas nach unten.

Beim weiblichen Kaninchen stülpt sich unterhalb des Afters die Scheide mit einem unteren faltenförmigen länglichen Zipfel schlitzförmig vor. Diese vorgestülpte Spitze bietet manchmal Anlass zur Verwechslung mit einem Penis, so daß ein im Zoohandel gekaufter "Peter" eigentlich eine "Petra" ist und dann bei nicht gleichgeschlechtlicher Haltung für eine Überraschung im Nest sorgen kann.

Beim männlichen Tier dagegen erscheint ein runder, nach oben gebogener hornförmiger Penis.
Die Hoden sind nicht immer sichtbar. Bei Aufregung können sie durch den weiten Leistenspalt in die Bauchhöhle eingezogen werden. Durch sanftes Massieren von der Leistengegend nach hinten können sie vorgelagert werden.