Grasmilbenbefall


Die Grasmilben (Trombiculiden) sind Milben (Arthropoden), deren Jugendstadien (Larven) zeitweise als Hautparasit auf Säugetieren, Vögeln und auch auf Menschen sitzen, während die erwachsenen Milben als räuberisches Insekt im Erdboden leben.

Sie kommen weltweit vor (ca. 3.000 bekannte Arten), in unserem Raum erlangen aber nur ein paar wenige größere Bedeutung.
Die erwachsenen Milben sind ca 1 mm, die Larven nur 0,2 mm groß und orange bis braun gefärbt (als Einzeltier gerade noch mit dem Auge erkennbar).
Die Larven schlüpfen überwiegend im Frühsommer und Herbst (April-Oktober). Nach den ersten Herbstfrösten hört die Larvenaktivität fast schlagartig auf.

Zumeist sitzen sie vereinzelt auf der Haut, sie können aber zum Abend hin bei unseren Haustieren regelrechte Nester bilden, die bis zu einigen Millimeter groß sein können. Bei Hund und Katze findet man die Milbenlarven zumeist an besonderen Stellen wie am Nasenrücken, am Ohrrand, in den "Ohrgrübchen", im Kehl-Brustbereich, am Unterbauch, in den Arm- und Schenkelbeugen und zwischen den Zehen.
Die Larven lösen mit ihrem Speichel die obersten Hornhautschichten der Haut ihres Wirtes auf und saugen Lymphflüssigkeit und herausgelöste Gewebszellen auf. Die für die Weiterentwicklung der Milbenlarven notwendige Nahrungsaufnahme dauert 3-5 Tage, selten bis zu 10 Tage, ehe sie von ihrem Wirt abfallen und ihre Entwicklung im Boden fortsetzen.
Der abgegebene Speichel enthält Stoffe, die nach 10-20 Stunden fürchterlichen Juckreiz auslösen. Es gibt nur wenige Stiche oder Bisse anderer Quälgeister, die dermaßen jucken und der Juckreiz kann mehr als eine Woche anhalten, so daß es aufgrund des unwillkürlichen Kratzens fast immer zu z. T. schweren bakteriell superinfizierten Hautentzündungen kommt.

 

Gegenmaßnahmen für Menschen

Herbstmilbenbefall entstammt dem Freiland und ist nicht auf mangelnde Hygiene oder „ungepflegte" Gärten zurückzuführen. Die Tiere können sich nicht (!) in Wohnungen vermehren und so dort zur Plage werden.

  • Meiden von Wiesen und Regionen mit bekannten Milbenbefall (zumeist sonnige feuchte Kuhweiden, ausgesprochene Hundewiesen bzw. Wiesen, auf denen sich viele Tiere bewegen, Stellen mit viel hohem Altgras).
  • ansonsten hochreichendes Schuhwerk (z.B.: Gummistiefel) und geschlossene Bekleidung benutzen sowie den Bodenkontakt vermeiden ("Hinsetzen" und "Hinlegen"). Zuhause anschließend möglichst schnell duschen und neue Kleider anziehen.
  • Einsatz von Repellents ("Insektenabwehrmittel"). Damit Schuhe, Socken und Hosen imprägnieren. Allerdings reagieren manche Menschen darauf empfindlich.
  • im eigenem Garten den Rasen bzw. die Wiese oft mähen (die Larven sitzen oben auf den Grashalmen). Den Grasschnitt nicht auf dem Rasen liegen lassen, besser komplet entsorgen. Dieses führt zu einer Minderung/Abwanderung der Grasmilben. Den Rasen nicht sonnenexponiert anlegen. Der Abstand des Rasen zum Haus sollte mindestens zwei bis drei Meter betragen.
  • So groß die Not der Gartenbenutzer angesichts einer Herbstmilbenplage auch ist, eine Tilgung des Befalls ist nicht durchführbar. Nach den neuen Pflanzenschutzgesetzen sind keine Bekämpfungsmittel gegen Herbstmilben zugelassen. Selbst wenn man Mittel anwenden dürfte, wäre eine vollständige Beseitigung der Plage nicht wahrscheinlich. Da man Befallsstellen nicht sicher lokalisieren kann, müsste der gesamte Garten mehrmals im Jahr behandelt werden. Neben hohen Kosten wäre dann auch eine erhebliche chemische Belastung und Abtötung der Bodenfauna vorhanden. Milben und besonders deren Eier sind überdies sehr widerstandsfähig gegen viele Bekämpfungsmittel. Bei ungünstigen Witterungsbedingungen können sich die Tiere auch tiefer im Boden verbergen. Kurzhalten und Entmoosen von Rasenflächen, Verzicht auf Kompostierung, sowie Verlegung von Ernte- und Gartenarbeiten in den kühleren Vormittagsstunden und bedeckende Kleidung können bei Herbstmilbenbefall im Garten das Risiko von Bissen vielleicht mindern. Auch der Wechsel von Kleidung und sofortiges Duschen nach Gartenbenutzung sind hilfreich.
  • Nach erfolgten Bissen die Stellen unbedingt desinfizieren und den Juckreiz mit Salben, Essig oder auch Zitronensaft lindern.

Gegenmaßnahmen für Haustiere

Die Behandlung besteht aus Ganzkörperwaschungen mit klarem Wasser (mechanisches Abspülen) und anschließendem Abrubbeln mit einem rauhen Tuch (mechanisches Abstreifen) und/oder Betupfen der befallenen Hautstellen mit antiparasitär wirksamen Medikamenten. Leider wirken die üblichen Mittel gegen Flöhe und Zecken nur sehr ungenügend gegen Grasmilben, da diese Wirkstoffe in der Blutbahn kreisen und die Grasmilben kein Blut aufnehmen. Bei zusätzlich bakteriell komplizierten Fällen müssen auch Antibiotika und antiallergisch wirksame Medikamente eingesetzt werden.

Hilfreich können auch Humanpräparate gegen juckende Insektenstiche sein.

Im allgemeinen verläuft ein Herbstgrasmilbenbefall gutartig, nur in extrem seltenen Fällen können Komplikationen wie z.B. zentralnervöse Störungen, Muskelsteifheit oder Organentzündungen beim Tier auftreten. Überwiegend sehen wir harmlose Fell- / Hautirritationen, sehr selten schwerwiegendere Hautentzündungen.