Haltung und Ernährung


Kaninchen sind sehr bewegungsfreudig und brauchen einen geräumigen Käfig von mindestens 80 cm Länge, 50 cm Breite und 40 - 50 cm Höhe. Die handelsüblichen Kunststoffschalen mit Gitteraufsatz sind durchweg viel zu klein für eine tierartgerechte Haltung. Mindestens drei Hoppelsprünge und das "Männchenmachen" sollten möglich sein. Ein oben geschlossener Stall in Kistenform ist einem Gitterkäfig vorzuziehen, leider wird dieser im Zoo"fach"handel nur selten angeboten.

Die Einstreu sollte eine dicke Lage weiches Heu oder Stroh sein. Imprägnierte Sägespäne, Torfmull oder Katzenstreu sind absolut nicht geeignet, gefährlich und häufig sogar Ursache von Krankheiten! Staub, Chemikalien und Holzgase reizen z.B. die Kopfschleimhäute, das Immunsystem wird ständig überlastet und das Tier erkrankt an wirklich vermeidbaren Infektionen.
(Machen Sie einfach mal ein "Gedankenexperiment" und legen Sie Ihre Wohnung 10 cm hoch mit diesen "Holzabfällen" aus - krabbeln Sie dann 14 Tage darin herum - dann sprechen wir über den Gesundheitszustand Ihrer Augen-, Nasen- und Mundschleimhäute)

Kaninchen sind außerordentlich reinliche Tiere, die in ihrem Käfig zumeist eine Toilettenecke einrichten. Zur Erleichterung der Käfighygiene kann in der vom Tier gewählten Ecke eine flache Kunststoffschale mit den Sägespänen gestellt werden, da diese besser den Urin binden. Katzenstreu ist dafür absolut ungeeignet.

Kaninchen sind Höhlenbewohner, daher sollte eine kleine Höhle in Kistenform (30cm x 20cm x 20cm) mit einem Schlupfloch in den Käfig gestellt werden. Diese Schlupfhöhle kommt auch dem Markierverhalten des Kaninchens mit seinen Kinndrüse entgegen.

Auch Kaninchen mit großem Käfig benötigen regelmäßigen Auslauf um ihren Bewegungsdrang abzureagieren. Da Kaninchen sehr gerne Gegenstände beknabbern und benagen, sollte der Wohnungsauslauf nur unter Aufsicht erfolgen. Achtung bei Telefon- und Stromkabeln und auch das Urinspritzen männlicher Kaninchen zum Reviermarkieren kann unangenehme Folgen an der Wohnungseinrichtung haben. Das Fressen von abgerissener Tapete kann zu schwersten Verdauungsstörungen bis zum Darmverschluss führen ("Pappmachée" im Darm).

Bei Freilauf auf dem Balkon sollte man die Absturzgefahr bedenken, da Kaninchen aus dem Stand Absperrungen bis zu 70 cm Höhe im Sprung überwinden können.
Zur Gartenhaltung kann ein Pferch aus Latten und Drahtgeflecht ("Kaninchendraht" mit einer Maschenweite von 10 mm) von 1 - 2 qm Grundfläche und 70 cm Höhe gebastelt werden. Als Schutz vor Katzen, Mardern oder Greifvögeln sollte er auch nach oben mit Maschendraht geschlossen sein. Für ausreichend Schatten muß gesorgt sein, da Kaninchen sehr hitzeempfindlich sind (Hitzschlaggefahr!). Da Kaninchen gerne buddeln und oft nur eine kurze Zeit zum Graben eines Fluchttunnels brauchen, sollten sie nicht längere Zeit unbeaufsichtigt sein und besser auch über Nacht in einem stabilen Kaninchenhäuschen untergebracht werden.

Da Kaninchen mit ihrem gut isolierenden Fell recht kälteunempfindlich sind, können sie auch ganzjährig im Freien gehalten werden. Dann benötigen sie aber einen trockenen, warmen und zugfreien Unterschlupf (am besten ein mit viel Stroh abgedecktes und gut von unten isoliertes Kaninchenhaus).

Ernährung

Kaninchen sind reine Zellulose verdauende Tiere und Gemischtköstler, sie nehmen eine Vielzahl von Gräsern, Kräutern, Wurzeln und Rinden auf.
Die Grundnahrung sollte daher aus Heu und/oder Stroh als Ballaststoff für die Verdauung bestehen und muss ständig zur Verfügung stehen.
Das zusätzliche Grünfutter sollte vollwertig, einwandfrei und möglichst gleichbleibend sein!
Leider werden bei der Fütterung viele Fehler gemacht; so ist etwa die Fütterung von Pellets weitverbreitet. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Pellets bei Kaninchen ganz andere Kaubewegungen bewirken als langfaserige Gräser und Heu. Die Folgen sind oft hochgradig schmerzhafte Zahn- und Zahnwurzelveränderungen.
Getreideprodukte und zuckerhaltige Futtermittel gehören nicht in das Futter für ein Kaninchen, daher sind die im Zoofachhandel angebotenen Fertigfuttermischungen als Alleinfutter zusammen mit Heu zwar halbwegs zum Überleben ausreichend, sind aber grundsätzlich abzulehnen.

  • Die darin enthaltenen Kohlehydrate können vom Kaninchen schlecht verdaut werden, was zumeist Durchfall zur Folge hat.
  • Zudem führen sie wegen des hohen Energiegehalts recht schnell zur Verfettung und damit häufig zum frühzeitigen Tod des Tieres.
  • Zusätzlich führen sie durch den Mangel an Rohfaser und daraus folgendem mangelndem Backenzahnabrieb häufig zu sehr üblen Zahn- und Kieferproblemen, insbesondere an den Backenzähnen ("Zahnspitzen" durch schiefen Abrieb der Zähne, die sich dann in Backe oder Zunge bohren und somit zu sehr schmerzhaften Verletzungen im Maulschleimhautbereich führen.).
  • Zudem ist der Kalziumgehalt zumeist extrem hoch und führt bei zu dicken und daher auch bewegungsfaulen Kaninchen schnell zur Blasensteinbildung.

Besser ist die alleinige, "mit konstanter Boshaftigkeit" gleichmäßige und regelmäßige Fütterung mit Heu + Heu + Heu + Heu + noch mehr gutes Heu + Grünfutter von der Wiese !!!

ALSO: KEIN KOMMERZIELLES FUTTER, sondern das füttern, was ein Kaninchen auch in der freien Natur hier bei uns vorfinden würde.

Als Frischfutter kommen in Frage: Löwenzahn, Luzerne, Klee, Sauerampfer, Feldsalat, Rucola, Endivie, verschiedene Gräser und Kräuter, Möhren, Kohlrabi, Petersilienwurzeln, Chicorée, Sellerie, Rote Beete. Äpfel, Birnen, Futterrüben wegen der hohen Gehalte an Fruchtzucker nur in geringen Mengen!
Nehmen Sie sich bei der Futterauswahl ein Wildkaninchen bei Ihnen zu Hause am Waldrand zum Vorbild und füttern Sie Ihr Hauskaninchen mit dem Futter, das auch solch ein freilebendes Wildkaninchen dort entsprechend der Jahreszeit in der Natur finden würde.

Dieses Frischfutter sollte immer einwandfrei und nicht angewelkt sein, am besten wird es wie das Heu in einer Futterraufe angeboten, um Verunreinigungen zu vermeiden. Kaninchen reagieren sehr empfindlich auf jede Art von Schimmelbildung.

Zum Benagen können belaubte Zweige von Buche, Ahorn, Haselnuß, Apfel- und Birnbaum angeboten werden. Vorsicht bei Gartenbüschen und Ziersträuchern, sie können giftig sein (z.B. Goldregen, Eibe, Taxus).

Um eine ausreichende Versorgung des Mineralhaushalts zu gewährleisten ist ein Salzleckstein zeitweilig notwendig.

Ebenfalls zur Grundnahrung gehört Wasser! Auch wenn bei einem ausreichendem Angebot an Grünfutter beim Kaninchen der Flüssigkeitsbedarf größtenteils dadurch abgedeckt ist, ist der wirkliche Bedarf nicht abzuschätzen. Bei Tieren, die kein Wasser erhalten, kommt es zu schweren, auch lebensbedrohlichen Störungen des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts. Trinkwasser sollte aus hygienischen Gründen immer in einer Trinkflasche mit Saugnippel ständig bereitstehen. Kaninchen sind wirklich "pingelig" mit ihrem Wasser. In offenen Wasserschälchen verschmutzt Wasser schnell und wird faulig, ungenießbar und wird vom Kaninchen nicht angenommen. Auch die Wasserspender müssen regelmäßig und intensiv gereinigt werden, um einen Algenbewuchs in der Plastikflasche zu verhindern!

Noch ein Wort zu den "Leckerlis", die in vermehrtem Maße im Zoohandel angeboten werden.
Durchfallprobleme und schlimme Verdauungsstörungen sind ein häufiges Problem in unserer Kleintiersprechstunde. Neben grundsätzlichen Fütterungsfehlern sind recht häufig die sogenannten "Leckerlis" Ursache bedeutender Erkrankungen des Verdauungstraktes. Die meisten dieser Snacks beinhalten Futterstoffe, die den Tieren absolut nicht zuträglich sind. Zucker, Mehl, Zuckerrohrmelasse, tierisches Eiweiss, Milch- und Molkereiprodukte, "ausgesuchte Getreidearten" etc. werden in der Packungsdeklaration angeben. All dieses gehört nicht zur artgemäßen und artgerechten Fütterung!
Die Folge sind schwerwiegende Störungen in dem recht komplizierten und störungsanfälligen Verdauungsapparat des "Zellulosefressers Kaninchen" mit oft fatalen Folgen für die Gesundheit des Tieres.
Wenn Sie also ihrem Tierchen Gutes tun wollen, dann ersparen sie ihm Fertigfutter und Leckerlis aus dem Zoohandel. Ein bißchen Petersilie oder das Kraut von Mohrrüben/Karotten tut das Gleiche und ist gesünder!

Kastration - ja oder nein?

Kaninchenböcke werden mit etwa 12 Wochen geschlechtsreif und müssen kastriert werden, um Nachwuchs zu verhindern. Zwischen unkastrierten Rammlern kommt es in der Regel zu heftigen Rangordnungskämpfen, die auch mit dem Tod eines Tieres enden können. Daher ist für ein ungestörtes Zusammenleben eine Frühkastration mit 8 - 10 Wochen anzuraten!