Tipps zu Igeln
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PFLEGE HILFSBEDÜRFTIGER IGEL
Was sind hilfsbedürftige Igel?
1. Verletzte Igel oder solche, die womöglich tagelang ohne Futter und Wasser in Lichtschächten, leeren Schwimmbecken oder ähnlichem gefangen waren.
2. Kranke Igel: Man erkennt sie meist daran daß sie tagsüber herumlaufen, -torkeln oder -liegen. Sie sind oft apathisch, kühl rollen sich kaum ein, sind häufig mager. Hinter dem Kopf sieht man eine Einbuchtung, Schultern und Hüftknochen bilden sich deutlich ab. Die Augen sind nicht rund, sondern schlitzförmig und eingefallen. Tagaktivität ist beim Nachttier Igel immer ein Alarmzeichen . Eine Ausnahme bilden allerdings aufgestörte Igel. Wenn etwa bei Gartenarbeiten Igelnester zerstört werden, sucht sich auch ein gesundes Tier tagsüber einen neuen Unterschlupf.
Unser "Praxisigel "Hannelore" von 2003 bei der Eingangsuntersuchung
3. Jungigel, die Anfang November deutlich weniger wiegen als 500 Gramm und am Fundort nicht zugefüttert werden können.

Wenn Sie unsicher sind, ob der Besucher Ihrer Futterstelle sein Winterschlafgewicht noch schafft, wiegen Sie den Igel, markieren ihn mit einem kleinen Tupfer Nagellack auf den Stacheln und setzen Sie ihn wieder hinaus Nach einigen Tagen wiederholen Sie das Wiegen und kontrollieren die Gewichtszunahme.
Generell ist es verboten, Tiere der besonders geschützten Arten - und dazu zählt der Igel - aus der Natur zu entnehmen. Dies gilt auch für den eigenen Garten! Das Naturschutzgesetz erlaubt jedoch Igel, auf die eine der unten aufgeführten Definitionen zutrifft, aufzuziehen bzw. gesund zu pflegen. Paßt keines dieser Kriterien auf den Igel, den Sie gefunden haben, so setzen Sie ihn bitte umgehend wieder am Fundort aus. Drohen ihm dort jedoch Gefahren bringen Sie ihn in ein Grüngelände mit Unterschlüpfen.
Durch die rechtzeitige Einrichtung einer Futterstelle in den nahrungsarmen Jahreszeiten erübrigt es sich oft, Jungigel in menschliche Obhut zu nehmen.
Erste Hilfe -Checkliste.
1) Notieren Sie sich das Funddatum, die Uhrzeit das Gewicht und die genaue Fundstelle.
2) Beginnen Sie dann mit einem "Pflegebericht", in den Sie weiterhin Gewichtszunahme, Tierarztbesuche usw. eintragen.
3) Untersuchen Sie den Igel in jedem Fall auf Verletzungen. Inspizieren Sie auch Kopf, Bauchseite und Beine.
4) Unterkühlte Igel müssen aufgewärmt werden. Eine Unterkühlung ist vorhanden, wenn sich das Tier an der Bauchseite deutlich kälter anfühlt als Ihre Hand. Eine mit gut handwarmem Wasser gefüllte Gummiwärmflasche - kein Heizkissen ! - umwickelt man mit einem Frotteehandtuch und legt sie in einen passenden hochwandigen Karton. Darauf setzt man den Igel und deckt Ihn mit einem weiteren Handtuch zu.
5) Baden Sie Igel nicht! Lassen Sie Flöhe und Zecken vom Tierarzt entfernen.
6) Suchen Sie den Tierarzt möglichst bald auf. Ihr lgel ist krank. Unterbringung und Ernährung im Haus allein heilen das Tier nicht!
7) Richten Sie in einem Raum mit Zimmertemperatur - nicht im Freien! - einen Auslauf für den Igel her. Käfige, Obstkisten, Bade- oder Waschwannen sind keine igelgemäßen Unterkünfte (s. Unterbringung).
8) Geben Sie Ihrem Igel zur Erstversorgung entweder ein Schüsselchen mit Katzen- oder Hundedosenfutter oder braten Sie Ihm in der Pfanne ein Rührei mit etwas Öl und ohne Gewürze. Zu trinken bekommt er Wasser, niemals Milch! Igel ernähren sich in der Natur von eiweiß- und fettreichen Insekten. Sie sind keine Vegetarier, fressen also weder Obst noch Gemüse.
9) Bei sehr schwachen Tieren können Sie zunächst versuchen, ihnen mittels einer Plastikspritze ohne Nadel etwas lauwarmen, ungesüßten Fenchel- oder Kamillentee einzuflößen, danach auch Breinahrung, zum Beispiel Rindfleischzubereitung ab 4. Monat der Firma Hipp-Babynahrung. Auf alle Fälle sollten Sie ein solches Tier dem Tierarzt oder einer Igelstation vorstellen.
10) Igel sind keine Haustiere und kein Kinderspielzeug, sondern geschützte Wildtiere. Unterlassen Sie unbedingt Zähmungsversuche.
Ernährung
Die erforderliche Nahrungsmenge ist von Igel zu Igel verschieden. Sie hängt vom Körpergewicht und vom Gesundheitszustand ab. Ein mittelgroßer Igel frißt etwa eine Menge die einen 150g Joghurtbecher füllen würde. Maßstab für die richtige Futtermenge bildet die Gewichtszunahme.
Anfangs wird der Igel täglich, später nur noch wöchentlich gewogen. Man legt ihn dazu auf dem Rücken in die Waagschale und pustet ihn ein bißchen an, damit er ruhig hält. Wenn ein abgemagertes Tier Nachholbedarf hat, kann es täglich 10 bis 20 g zunehmen, später sollten es 7 bis 10 g pro Tag sein.
Pro Portion gibt man entweder einen Eßlöffel Weizenkleie oder zwei Eßlöffel Futterhaferflocken bzw Igeltrockenfutter zum Fleisch, Ei oder Dosenfutter. Evtl. feuchtet man die Mischung mit etwas Wasser an.
Igel sind Insektenfresser, doch in der Gefangenschaft soll man sie nicht mit Schnecken Regenwürmern etc. ernähren, weil diese Überträger von Innenparasiten sind.
Milch bewirkt wegen ihres Milchzuckers Durchfall in der Folge Darmentzündungen und Infektionen, die für den Igel tödlich enden können. Futter und Wasser reicht man in kippsicheren, flachen Glas oder Porzellannapf (gut geeignet sind die Deckel von Einmachgläsern).
Gefüttert wird in der Regel nur einmal täglich, und zwar abends. Läuft jedoch ein offensichtlich hungriger Igel auch tagsüber unruhig im Gehege herum, sollte man Ihm selbstverständlich Nahrung anbieten. Das gleiche gilt für geschwächte Tiere, die die notwendige Futtermenge oft nur in mehreren kleinen Portionen einnehmen. Futterreste müssen weggeworfen und die Näpfe täglich (bzw. nach jeder Mahlzeit) heiß gespült werden.

Grundnahrungsmittel für Igelfutter:
Katzen- oder Hundedosenfutter, Eier (hartgekocht oder als Rohei), Geflügelfleisch (gekocht) und Rinderhackfleisch (roh nur ganz frisch, besser kurz anbraten).
Als darunter zu mischende Ballaststoffe (zur guten Verdauung unerläßlich) eignen sich: Weizenkleie, Futterhaferflocken oder Igeltrockenfutter.

Zufütterung im Freien:
Um das Futter vor Vögeln, aber auch vor Regen zu schützen, stellt man es abends in ein mit mindestens zwei 10 x 10 cm kleinen Einschlupflöchern versehenes Kistchen. Muß das Futter zusätzlich noch vor Katzen geschützt werden. empfiehlt sich der Bau eines Futterhauses mit verwinkeltem Eingang Futterreste müssen morgens unbedingt beseitigt und die Schüsseln heiß gespült werden.
Unterbringung
Igel sind Einzelgänger. Jeder Igel braucht also ein eigenes Gehege. Nur ganz junge Igel aus einem Wurf vertragen sich eine Zeit lang miteinander.
"Hannelore" nach ihrer Genesung in 'voller Fahrt'
Ein Igelgehege soll mindestens 2 qm groß und absolut ausbruchsicher sein.
Igel mögen nicht eingesperrt sein und werden immer versuchen, auszubrechen. Sie können gut klettern und hervorragend und ausdauernd graben, sie sind wahre "Ausbruchspezialisten.
Die Höhe der Seitenwände muß 45 bis 50 cm betragen. Am besten fertigt man das Gehege aus gut zu reinigenden, beschichteten Span- oder Hartfaserplatten an, und stattet es wegen der Wärmedämmung auch mit einem Boden aus. Diesen bedeckt man mit mehreren Lagen Zeitungspapier (nicht mit Sägemehl, Katzenstreu Torf oä.), das man täglich (!) wechselt. Als Schlafhäuschen wählt man einen oben zuklappbaren Karton von ca. 30 cm Kantenlänge und versieht ihn mit einem seitlichen Schlupfloch von ca. 10 x 10 cm.
Winterschlaf
Grundsätzlich ist anzustreben, gesund gepflegte Igel bzw. aufgezogene Igeljunge noch im Herbst auszuwildern.
Erreicht ein in menschlicher Pflege genommener Igel ein für den Winterschlaf ausreichendes Gewicht (mindestens 500g, besser 600 bis 650g) jedoch erst sehr kurz vor Wintereinbruch oder gar danach, muß man bis zum Frühjahr warten, ehe man ihn in die Freiheit entläßt.
Selbstverständlich schneidet oder sägt man auch in das Überhaus ein deckungsgleiches Schlupfloch.
Nachdem man den Igel in sein Winterquartier gebracht hat füttert man ihn solange normal weiter, bis er das Futter nicht mehr anrührt Bis dahin können einige Tage, aber auch Wochen vergehen.
Auslauf und Häuschen reinigt man nach wie vor.
Hat sich der Igel dann offensichtlich zum Winterschlaf zurückgezogen, klebt man mit zwei Stückchen Klebeband ein Blatt Toilettenpapier vor das Schlupfloch. So kann man - ohne ins Schlafhaus zu fassen - auf einen Blick erkennen, ob das Tier wieder aufgewacht ist und nachts sein Häuschen verlassen hat oder ob es weiter schläft. Für alle Fälle und als «Notration» stellt man in das Gehege ein Schälchen mit Igel- oder Katzentrockenfutter, dazu frisches Wasser.
Auch schlafende Igel muß man täglich kontrollieren!
Eine Unterbrechung des Winterschlafs bei steigenden Temperaturen kommt hin und wieder vor. Dann futtert man die normale, eiweißreiche Nahrung.
IGELSCHUTZVEREINE IN DEUTSCHLAND.
Igelfreunde Sachsen.Anhalt e.V.
Erich-Mühsam-Str. 7
06886 Lutherstadt- Wittenberg
Telefon 03491/612776
Telefax 03491/612776

Arbeitsgruppe Igelschutz Dortmund
Hagener Str. 172
44229 Dortmund
Telefon 0231/733599

Arbeitskreis Igelschutz Berlin e.V.
Berliner Str. 79 a
13467 Berlin
Telefon 030/4049409
Telefax 030/4049409

Verein der Igelfreunde Stuttgart u.U. e.V.
Talblick 10
71543 Stocksberg
Telefon 07130/9837
Telefax 0713018026

Pro Igel
Verein für integrierten Naturschutz Deutschland e.V.
Lilienweg 22
24536 Neumünster
Telefon: 04321131856
Telefax: 043211939479

Igel Schutz. lnteressengemeinschaft e..V.
Stammesackerstr. 92
72762 Reutlingen
Telefon 071211337746

Igel-Schutz-Initiative e.V.
Hannover (IGSI)Igelhaus
Ohestr 12
30880 Laatzen
Telefon 05111233261
Telefon 05111221774

Igelhilfe Schwaben e.V.
Nibelungenring 40
66356 Neuss
Telefon 0621/467569
Telefax 0821/452087

Igelschutz-Interessengemeinschaff eV
Am Kohlenmei!er 180
42389 Wuppertal
Telefon 0202/603403
Telefon O2O1/71e427
Telefax 0201/716427

Igel.SOS Donau.Ries eV
Am Kesseldamm 1
86609 Donauwörth
Telefon 0906/21649
Telefax 0906/21649

Verein der Igelfreunde eV
Wallensteinstr. 50
87700 Memmingen
Telefon 0.331/..94316
Telefax 08331/74515
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