Schutzimpfung


Kaninchen sollten regelmäßig gegen die Viruserkrankungen Myxomatose und RHD geimpft werden! Bei beiden Krankheiten bilden Wildkaninchen das Erregerreservoir.

Beide Krankheiten können nicht behandelt werden und führen fast immer zum Tode.

Myxomatose

Die Myxomatose ist eine unter Wildkaninchen weit verbreitete seuchenartige Krankheit, die durch saugende oder stechende Insekten (Flöhe, Stechmücken) weiterverbreitet wird. Schwellung der Augenlider bis zur Blindheit, Schwellung von Nase, Mund, Ohren und After sind die Hauptsymptome.

Die Krankheit ist nicht heilbar!

Impfschema:

  • Erstimpfung mit 5 - 6 Wochen
  • Wiederholungsimpfung nach 3 - 4 Wochen
  • Auffrischungsimpfung alle 6 - 12 Monate (je nach Art des Impfstoffes)

Es besteht eine etwa zu 60-90%ig wirksame Schutzimpfung, die aber nur bei Kaninchen in Freilaufhaltung empfehlenswert ist. Sie muß im halbjährlichen Abstand wiederholt werden.

RHDV-1 / RHDV-2

Die RHDV I (Rabbit Haemorrhagic Disease Virus), auch "China-Seuche" genannt (dort trat sie 1984 erstmals auf und verbreitete sich rasend schnell, bis sie schon 1988 Europa erreichte), ist eine in ganz Deutschland verbreitete hochansteckende Calici-Virusinfektion, die zumeist ohne bedeutende klinische Symptome zu plötzlichen Todesfällen führt (Todesrate 80 - 100%). Das Virus wird in erster Linie durch direkten Kontakt übertragen (Tröpfcheninfektion), eine Ansteckung ist jedoch auch über Personen, Gerätschaften, Transportkäfige, indirekte Kontakte auf Ausstellungen, passive Übertragung durch Insekten u.a.m. möglich. Verbreitet wird das Virus häufig auch über das Futter (z.B. Heu), welches von kranken Wildkaninchen kontaminiert wird. Eine Behandlungsmöglichkeit gibt es nicht, eine jährlich aufzufrischende Impfung schützt aber sicher und erfolgreich. Auch reine Wohnungskaninchen sollten gegen die RHD geimpft werden, da das Virus mit dem zugekauften Futter (Heu) auch aus dem Zoohandel eingeschleppt werden kann.

In den späten 90er Jahren wurden bereits als RHDVa bezeichnete Varianten des RHDV identifiziert und es gab experimentelle Hinweise auf einen möglicherweise eingeschränkten Kreuzschutz . Ab Sommer 2010 trat in Frankreich, später auch in Italien und auf der Iberischen Halbinsel eine neue Variante des Virus auf, die auch bei geimpften Tieren eine Letalität von bis zu 50% verursachte.
2013 wurde diese, als RHDV-2 (in Spanien auch als RHDVb) bezeichnete Variante erstmals in Deutschland (NRW) nachgewiesen. RHDV-2-Fälle sind auch aus dem Vereinigten Königreich beschrieben und in Dänemark und den Niederlanden diagnostiziert. In Australien ist das Virus seit Mitte 2015 präsent.

Die Erkrankung ist durch einen perakuten Verlauf gekennzeichnet, der mit einer nekrotisierenden Hepatitis und einer generalisierten Gerinnungsstörung einhergeht. Es kommt zu hohem Fieber und bei ca. 10-20 % der Tiere zu blutigem Nasenausfluss. Klinisch erkrankte Tiere verenden in der Regel nach 24-72 Stunden, chronische Verlaufsformen werden nur selten beobachtet.

Jungtiere bis zu einem Alter von 8-10 Wochen erkranken nicht an der klassischen Form (juvenile Resistenz). Das gilt nicht für die neue RHDV-2-Variante.

Impfschema:

Aufgrund der Entwicklung empfiehlt die StIKo Vet am FLI, abweichend von der bestehenden Impfleitlinie für Kleintiere, folgendes neues Impfschema:

  • Kaninchen zum frühestmöglichen Zeitpunkt (siehe Herstellerangaben) durch eine zweimalige Applikation eines der beiden monovalenten Vollantigenimpfstoffe Cunivak RHD oder RIKA-VACC RHD im Abstand von 3 - 4 Wochen grundimmunisieren und
  • die Tiere anschließend alle 6 - 12 Monate nachimpfen (je nach Art des Impfstoffes).

Eine Laborstudie belegt, dass eine mindestens zweimalige Immunisierung mit einem konventionellen, inaktivierten Vollantigenimpfstoff schwere, klinische Verläufe einer RHDV-2-Infektion bei der überwiegenden Mehrzahl der Tiere verhindern kann. Eine Infektion und geringgradige klinische Symptome können aber trotz Impfung auftreten. Daher ist nicht auszuschließen, dass derart geimpfte, partiell geschützte Tiere zumindest zeitweilig das Virus ausscheiden können. Die StIKO hält die Hinweise auf den partiellen Schutz gegen RHDV-2 aber für so überzeugend, dass sie in die Gebrauchsanweisung der monovalenten Impfstoffe Cunivak RHD und - da es sich um bezugnehmende Zulassungen handelt - auch für RIKA-VACC RHD aufgenommen wurden.

Es gibt in Frankreich und Spanien auch erste konventionelle Impfstoffe mit einer vorläufigen Marktzulassung gegen die neue RHDV-Variante. Sie induzieren Antikörper, die auf beide Varianten, aber stärker auf RHDV-2 als auf das klassische RHDV reagieren. Ob diese Kreuzreaktivität auch gegen die klassischen RHDV-Stämme schützt, sei momentan nicht bekannt, schreibt die StIKO Vet. Ein weiterer seit kurzem in Frankreich und nun auch in Deutschland zugelassener Impfstoff enthält sowohl eine klassische RHDV als auch eine RHDV-2-Komponente.

Charakteristisch und für den Impfstoffeinsatz von Bedeutung ist die Tatsache, dass auch sehr junge Tiere (Nestlinge ab einem Alter von 4 Wochen) erkranken, erklärt das FLI. Zudem sind, im Gegensatz zur „klassischen" RHD, auch Feldhasen empfänglich. Nach experimenteller Infektion von Kaninchen verendeten 100% der Tiere innerhalb von 2 Tagen. Bei Feld-Ausbrüchen starben in der Regel alle ungeimpften Tiere. Dagegen erkrankten einmal mit Vollantigenimpfstoff geimpfte Tiere zu etwa der Hälfte, während ältere, bereits mehrfach geimpfte Tiere in der Regel nicht, berichtet das FLI. Rekonvaleszenz nach Erkrankung, eher untypisch für die „klassische" RHD, ist bei offensichtlich teilgeschützten Tieren möglich. Ob diese Tiere Virusträger bleiben, ist unbekannt.
Die neue RHD-Variante hat inzwischen die klassischen RHDV-Stämme in Frankreich weitgehend verdrängt, in anderen Ländern (Italien, Spanien, Portugal) ist dies nicht so deutlich.
(Quelle: Ständige Impfkommission Vet (StIKO Vet)