Krankheiten


Haut- und Fellerkrankungen

Haarling-, Läuse- und Grabmilbenbefall zeigt sich durch struppiges Haarkleid, starken Juckreiz und Unruhe, Schuppenbildung und borkige Hautverdickung am Tier. Abmagerung, Hautekzeme und bei starkem Parasitenbefall sogar Krampfanfälle mit Todesfolge können vorkommen.

Kreisförmiger Haarverlust, Schuppen oder Borkenbildung der Haut kann ein Hinweis auf eine Hautpilzerkrankung (vorwiegend Trichophytie) sein - VORSICHT, da auch für Menschen ansteckend. Die Tiere können aber auch vollkommen symptomlos sein und trotzdem Infektionsquelle einer menschlichen Hautpilzerkrankung sein. Man sollte den behandelnden Humanmediziner über die bestehende Pilzerkrankung des Haustieres informieren.

Entzündungen der Fußballen und Sohlengeschwüre treten bei einer Haltung auf ungeeignetem Untergrund, Bewegungsmangel und Übergewicht (chronische Fehlfütterung mit Körnermischungen aus dem Zoohandel anstatt kalorienarmer und artgerechter zellulosereicher Heu- und Strohfütterung) auf.

Ebenso sind zu lange Krallen ("Korkenzieherkrallen") oder eingewachsene Krallen eine Folge unzureichender Haltungsbedingungen und fast immer ein Zeichen von Übergewicht. Ein Ytong-Stein oder ein Rasentrittstein im Käfig und/oder Stall wirkt Wunder - wie eine Nagelfeile!

Immer wieder werden auch Umfangsvermehrungen in oder unter der Haut beobachtet.

In der Haut sind es häufig mit talgartigem Inhalt gefüllte Hautzysten, sogenannte Atherome oder "Grützbeutel". Sie sollten im Frühstadium, d.h. wenn sie noch klein (maximal erbsengröße) behandelt oder durch eine Operation entfernt werden. Je größer sie werden, um so eher können sie sich infizieren und der operative Aufwand sowie das Operationsrisiko ist beträchtlich erhöht.

Unter der Haut finden sich häufig Lipome, aber auch Tumore.
Lipome sind gutartige Fettgewebsgeschwulste, die z.T. eine erhebliche Größe erreichen können. Auch hier gilt eine frühzeitige operative Entfernung als dringend angebracht.
Je größer das Lipom, um so größer wird die Operationswunde bei der chirurgischen Entfernung.

Mund und Zähne

Die Schneide- und Backenzähne wachsen beim Meerschweinchen ein Leben lang - die Schneidezähne etwa 5 - 6 mm pro Monat! Mangelnde Abnützung durch Falschfütterung führt zu Zahnfehlstellungen oder zu Verlängerung der Backen- und Schneidezähne, im Extremfall bis zur Brückenbildung über die Zunge bei den Backenzähne  oder Bildung von "Riesenzähnen" an den Schneidezähnen. Die Tiere speicheln sehr stark und haben unzerkautes, breiiges Futter in den Mundwinkeln. Sie magern stark ab. Die Behandlung besteht in einem Abschleifen der Backenzähne unter Vollnarkose.

Immer wieder werden auch Meerschweinchen mit riesigen Abszessen am Unterkiefer in der Sprechstunde vorgestellt. Ursache ist meistens eine oder mehrere verfaulte Backenzahnwurzeln. Eine Heilung ist nur chirurgisch durch Spaltung und Ausräumung des mit zähflüssigem, cremigem Eiter gefüllten Abzesses und Extraktion des betroffenen Zahnes unter Vollnarkose zu erreichen. Vorher müssen solche Patienten erst über mehrere Tage gepäppelt werden, um sie in einen operationsfähigen Zustand zu bringen

Daher ist unbedingt auf eine grobstrukturierte und rohfaserreiche Fütterung zu achten, die ein intensives Zermahlen mit den Backenzähnen notwendig macht!

Magen und Darm

Der Blähbauch (Magen-Darm-Tympanie) entsteht zumeist durch abrupte Futterumstellung, häufig im Frühjahr nach der ersten Grünfütterung. Ein aufgetriebener Leib und Bauchschmerzen sind die alarmierenden Symptome, die einen alsbaldigen Tierarztbesuch dringend notwendig machen.

Durchfall entsteht zumeist durch verdorbenes Futter (z.B. verpilztes Heu), wechselhafte Fütterung oder unhygienischen Haltungsbedingungen.

Durchfall zeigt sich durch einen mit Kot verschmierten Afterbereich (normale, gesunde Meerschweinchen sind im Afterbereich genauso blitzsauber wie Katzen). Im schlimmsten Falle können dort in dem kotverklebten Fell Fliegen ihre Eier ablegen. So kann es binnen Stunden zu einem schweren Befall mit Fliegenmaden kommen, die das Meerschwein bei lebendigen Leibe anfressen und zu schwersten Hautschäden und sehr häufig sogar zum Tode des Tieres durch Toxinbildung führen. Bei Durchfall im Sommer sollte neben der Bekämpfung der Durchfallursache also auch täglich der Afterbereich des erkrankten Tieres mehrfach kontrolliert und bei Bedarf gereinigt werden, z.B. durch vorsichtiges Putzen mit Toilettenfeuchtüchern. Die Erstbehandlung ist ein vollständiger Entzug von jeglichem Futter für 24 Stunden, ausgenommen Heu und Stroh. Tritt dann keine Besserung ein, sollte unbedingt ein Tierarzt aufgesucht werden.

Infektionskrankheiten

Die "Meerschweinchenlähme" wird durch ein Virus verursacht und führt zu einer nicht heibaren Gehirn- und Rückenmarksentzündung. Sie führt im Verlauf von einigen Tagen bis zu einigen Wochen zu einer schlaffen Lähmung der Hintergliedmaßen.

LCM (Lymphozytäre Choriomeningitis) - ACHTUNG - auf den Menschen übertragbar!
Diese Erkrankung wird ebenfalls durch ein Virus (Arena-Virus) hervorgerufen. Zumeist sind Freilauf-Meerschweinchen betroffen, da das Erregerreservoir wildlebende Mäuse sind. Meerschweinchen erkranken nur harmlos unter sehr vielfältigen allgemeinen Symptomen, können aber Menschen infizieren. Menschen leiden unter grippeähnlichen Symptomen, es kann aber auch zu einem schweren Krankheitsverlauf mit Hirn- und/oder Hirnhautentzündungen kommen.

Meerschweinchenleukämie ist ebenfalls ein Virusinfekt (Onkornaviren), der zu stark vergrößerten Lymphknoten führt. Manche Tiere können damit erstaunlich lange überleben - eine Therapie oder Heilung gibt es nicht.

Gynäkologie

Weibliche Meerschweinchen werden schon sehr früh geschlechtsreif und können so schon in ihrem ersten Zyklus mit 3 - 4 Wochen vom Vatertier erfolgreich gedeckt werden. Der Zyklusrhythmus liegt zwischen 16 - 19 Tagen. Die Trächtigkeitsdauer ist mit 64 - 71 Tagen für so ein kleines Tier erstaunlich lang (im Vergleich dazu trägt ein Hund 58 - 64 Tage). Die Welpen (in der Regel 1 - 4 nestflüchtende Jungtiere mit einem Geburtsgewicht zwischen 60 - 80 g) werden etwa 2 - 4 Wochen lang von der Mutter gesäugt, dann werden sie abgesetzt. Somit können sie mit etwa mit 4 Wochen schon an Neubesitzer abgegeben werden (zumindest aber sollten sie von ihrem Vater und ihren männlichen Wurfgeschwistern getrennt werden!).

Eierstockszysten. Ab und zu sieht man bei ansonsten klinisch gesund erscheinenden weiblichen Meerschweinchen einen symmetrischen Haarverlust oder eine deutlich tastbare Vorwölbung an den Flanken. Die Ursache können Eierstockszysten sein, die relativ häufig beim Meerschweinchen auftreten. Diese Zysten entwickeln sich aus nicht ovulierten Follikel der Eierstöcke und können bis hühnereigroß werden. Sie sind mit Flüssigkeit gefüllt und häufig mehrfach gekammert, so dass eine Punktion zumeist nur ein unbefriegenden Therapieerfolg bringt.
Wenn die Zysten sehr groß werden, kann es zu Störungen in der Futteraufnahme, der Verdauung oder zu Erkrankungen der Urogenitalorgane kommen.
Eine Behandlung kann auf 2 Wegen geschehen:

  • chirurgische Entfernung der Eierstöcke mit der Gebärmutter unter Vollnarkose.
  •  konservative Therapie mit Hormonen oder im Rahmen der biologischen Alternativmedizin.

Als Vorbeuge sollten weibliche Meerschweinchen in Gruppen zusammen mit einem kastrierten Bock gehalten werden. Die Anwesenheit (auch eines kastrierten) männlichen Tieres scheint das Risiko zur Bildung von Eierstockszysten herabzusetzen.

Kastration des männlichen Meerschweins

Etwa mit 3 Monaten werden die männliche Tiere geschlechtsreif. Männliche Meerschweinchen können und sollten daher ab etwa der 8. Lebenswoche kastriert werden (Frühkastration), so erspart man ihnen als Rudeltiere eine längere Zeit der Einzelhaft und Trennung von ihrer gewohnten Gruppe. Ausserdem kann so eine unkontrollierte Inzucht vermieden werden. Für eine Frühkastration spricht auch, dass die Tiere, da sie keine Trennung von Artgenossen erfahren müssen, ein besseres Sozialverhalten entwickeln können.
Die Kastration des männlichen Meerschweinchens ist chirurgisch erheblich weniger aufwendig als die operative Entfernung der Eierstöcke aus der Bauchhöhle beim weiblichen Tier. Zu beachten ist aber, dass die Meerschweinchenböcke bis zu 6 Wochen nach der Kastration noch zeugungsfähig sein können!