Toxoplasmose


Toxoplasmose ist eine weltweit auftretende Infektionskrankheit, die durch das Protozoon Toxoplasma gondii (parasitärer, bakterienähnlicher Mikroorganismus) verursacht wird.

Hauptwirt und Nebenwirt dieses Parasiten ist die Katze. Infizierte und erkrankte Katzen scheiden Eier (Oozysten) dieses Erregers mit dem Kot aus. Diese können dann z. B. durch Wind oder Staub verteilt und von Menschen, aber auch von Beutetieren der Katze (Mäuse, Ratten, Vögel) oder auch von Schlachttieren aufgenommen werden. Im letzteren Fall kommt es zur Bildung von Toxoplasmosezysten im Muskelgewebe der erkrankten Tiere, so dass die Katze oder der Mensch sich über den Genuß rohen Fleisches infizieren können.
Die Toxoplasmose ist eine häufige Infektion, jeder 2. Erwachsene hat Antikörper gegen den Erreger als Zeichen einer durchgemachten Infektion.

In allen warmblütigen Tieren und im Menschen erfolgt nach der oralen Aufnahme von Zysten oder Oozysten eine ungeschlechtliche Vermehrung (Schizogenie). Im Körpergewebe werden Zysten ausgebildet, diese Gewebezysten enthalten Tausende Parasiten und finden sich hauptsächlich im zentralen Nervensystem, Skelett und Herzmuskulatur des Wirtsorganismus.

Die eigentlichen Endwirte (und Zwischenwirte) sind Hauskatzen und andere Feliden (Katzenartige).

Ihre Infektion erfolgt überwiegend durch Gewebszysten in infiziertem Fleisch, z.B. von Beutetieren wie Mäuse, Ratten, Vögeln oder durch Fütterung mit rohem toxoplasmazystenhaltigem Fleisch. Seltener erfolgt die Infektion durch Aufnahme von Oozysten aus dem Stuhl anderer infizierter Katzen, z.B. bei der Benutzung einer gemeinsamen Katzentoilette.

In Katzen (und nur in Katzen! - nicht im Hund oder in anderen Haus- oder Heimtieren!) erfolgt nach oraler Infektion zusätzlich zur ungeschlechtlichen (Schizogonie) auch eine geschlechtliche Vermehrung (Gamogonie) der Toxoplasmen in der Darmschleimhaut des Dünndarms. In deren Folge können bis zu 20 Millionen Oozysten in unsporuliertem Zustand pro Tag mit dem Kot ausgeschieden werden. Die Oozystenausscheidung hält etwa 3 Wochen lang an. In dieser Zeit infiziert die Katze ihre Umgebung.

Nur in dieser Zeit können die Toxoplasma-Oozysten bei einer labordiagnostischen Kotuntersuchung nachgewiesen werden. Ein oozystenfreier Kotbefund bedeutet somit leider nicht eine sichere Toxoplasmenfreiheit des untersuchten Tieres!

Diese Oozysten werden erst nach einer etwa ein- bis fünftägigen Reifungsphase (Sporulation) infektiös. Sie können im Erdboden oder Wasser länger als ein Jahr infektionsfähig überleben.
Durch Trockenheit, Hitze oder starke Chemikalien werden sie abgetötet. Normale haushaltsübliche Reinigungs- und Desinfektionsmittel wirken nicht!

Bei geringem Befall treten bei der Katze meist keine erkennbaren klinischen Symptome auf, so dass eine Gefährdung des Menschen nicht erkannt werden kann.
Bei starkem Befall kommt es zur akuten Toxoplasmose mit vielfältigen unspezifischen Symptomen (schwere Atemwegsinfektion, zentralnervösen Störungen, Herzmuskelerkrankungen, Lebererkrankung usw.). Dies betrifft überwiegend Welpen und Jungtiere, je älter die Katze ist, um so geringer sind die klinischen Symptome.

Eine endgültige sichere Diagnose kann erst durch serologische Untersuchungsverfahren erreicht werden.

Die Infektion des Menschen erfolgt durch eine Schmierinfektion mit infektionsfähige Oozysten aus dem Kot der Katze oder durch Gewebszysten in rohem oder ungenügend erhitztem Schaf- oder Schweinefleisch. Auch Rohmilch und Milchprodukte von Ziegen und Schafen (Käse) können Toxoplasmen enthalten.

Beim Menschen verläuft die Erkrankung in 90% der Fälle symptomlos und es entwickelt sich eine lebenslange Immunität. Typische klinische Anzeichen einer akuten Toxoplasma-Infektion können Erkrankungen des lymphatischen Gewebes, angina- und grippeähnliche Krankheitszeichen, Fieber und diffuser Muskelschmerz sein. Nach erfolgter Infektion kapselt sich der Erreger in Form von Gewebezysten ab und verbleibt so lebenslang im Wirtsorganismus als versteckte Infektion. Das intakte zelluläre Immunsystem führt zu einem Gleichgewicht von Wirt und Parasit. Es kommt nicht zu Reaktivierungen und nicht zu Booster-Infektionen. Ist die zelluläre Immunabwehr gestört durch Erkrankungen des Immunsystems (z.B. Morbus Hodgkin), eine HIV-Infektion oder durch chemotherapeutische Immunsuppression bei Transplantationen, so kann eine latente Infektion reaktiviert werden und zu einer generalisierten Erkrankung mit Todesfolge führen.

Die Toxoplasmose-Erstinfektion ist in der Schwangerschaft ein ernst zu nehmendes Problem! Es ist davon auszugehen, dass es in Deutschland unter Zugrundelegung von 800 000 Lebendgeburten zu etwa 1500 Schädigungen durch pränatale Toxoplasma-Infektionen kommt.
Unbehandelte mütterliche Erstinfektionen führen im ersten Drittel der Schwangerschaft in ca. 20% zu einer fetalen Infektion, die jedoch durch die Schädigung des Fetus durch die Toxoplasmen sehr schwer verläuft (Früh- oder Totgeburt).
Im letzen Drittel der Schwangerschaft liegt das Erkrankungsrisiko für das Kind bei ca. 65%, jedoch mit häufig mildem oder subklinischem Verlauf.
Das klinische Spektrum der angeborenen Toxoplasmose beim Kind reicht von schwerer Erkrankung (Gehirnmissbildungen, Gehirnentzündung mit Verkalkungsherden, Krampfanfälle) bis hin zu einer symptomlosen Infektion.
90% aller infizierten Neugeborenen erscheinen bei der Geburt als klinisch gesund, entwickeln jedoch ohne Behandlung in bis zu 90% der Fälle Spätsymptome, meist mentale Defekte (Lernstörungen) und Netzhautveränderungen, die je nach Lokalisation zu beträchtlichen bleibenden Sehbehinderungen oder Erblindung beim Kind führen kann.
Hat hingegen die Infektion mit Toxoplasma gondii bei einer immunkompetenten Mutter schon längere Zeit vor der Schwangerschaft stattgefunden, ist der Fetus vor der connatalen Infektion sicher geschützt.
Insbesondere seronegative Mütter sollten am Beginn der Schwangerschaft von ihrem betreuenden Arzt genau informiert werden, wie eine Infektion mit Toxoplasma gondii vermieden werden kann.

Es ist wenig sinnvoll, eine in der Umgebung z.B. einer Schwangeren lebenden Katze koprologisch auf Toxoplasma-Oozysten zu untersuchen. Ist es nämlich beim Menschen zu einer Infektion gekommen, so kann die Ausscheidung von Oozysten durch eine Katze schon lange zurückliegen und im Kot sind keine Erreger mehr nachweisbar. Eine gewisse Bedeutung hat die serologische Untersuchung von Katzen, wenn man sie als Infektionsquelle ausmachen möchte. Besitzt eine Katze keine Toxoplasma-Antikörper, so scheidet sie als mögliche Infektionsquelle aus. Sind Toxoplasma-Antikörper nachweisbar, so hat die Katze eine Infektion durchlaufen und möglicherweise im Laufe ihres Lebens auch Toxoplasma-Oozysten ausgeschieden. Wann das war, ist wegen der zeitlichen Verzögerung in der Regel nicht zu beurteilen. Nur die serologische Untersuchung zur Feststellung, ob eine Infektion vorliegt oder nicht, kann sinnvoll sein.

Vorbeuge

  • Es sollte kein rohes oder halbgares Fleisch gegessen werden. Eine Kerntemperatur des Fleisches von mindestens 70 Grad C oder Tiefgefrieren auf -20 Grad C für mehrere Tage tötet den Erreger sicher ab.
  • Es sollten nach der Zubereitung von rohem Fleisch die Hände gut gereinigt werden.
  • Ebenso sollten Gemüse und Früchte gut gewaschen werden.
  • Jeglicher direkter Kontakt mit Katzenkot sollte vermieden werden. Daher ist auch Vorsicht bei Gartenarbeit oder Spielen mit Kindern in einer Sandkiste geboten, da möglicherweise auch Nachbars Katze die lockere Erde gerne als Klo benutzt.
  • Die Reinigung der Katzentoilette sollte mit heißem Wasser (mindestens 60 Grad C) von einer anderen (nichtschwangeren) Person oder nur mit Gummischutzhandschuhen mindestens alle 24 Stunden erfolgen, noch bevor durch Sporulation infektionsfähige Toxoplasmasporen entstehen können.
  • Katzen sollten im Haus gehalten werden, also keinen Kontakt zu infizierten Beutetieren oder Katzenkot haben und nicht mit rohem Fleisch gefüttert werden.
  • Der bloße Kontakt mit einer Katze stellt an sich keine Infektionsgefahr dar. Zu enger Katzenkontakt sollte aber von Schwangeren vermieden werden, insbesondere beim Essen.
  • Bei einer "bedenklichen" Katze kann mit Medikamenten die Oozystenausscheidung zuverlässig unterdrückt werden, so dass die Katze dann als unbedenklich gelten kann (Achtung: keinesfalls Humanpräparate anwenden, da sie für die Katze toxisch sind!)
  • Während der Schwangerschaft sollten die im Rahmen der Mutter-Kind-Paß-Untersuchung vorgesehenen serologischen Kontrollen und Ultraschalluntersuchungen durchgeführt werden. Bei Seronegativität am Beginn der Schwangerschaft sollte ein Folgetest im 2. und 3. Trimenon vorgesehen sein. Eine eventuell stattgehabte Infektion kann so frühzeitig erkannt und behandelt werden.