Zeckenbefall


Fallen Zecken von Bäumen?

Grundsätzlich nein. Zecken sitzen immer in Bodennähe. Die Larven des Holzbocks Ixodes ricinus z.B. leben in der Laubstreu am Boden, die Nymphen, das nächstgrößere Stadium, steigt auf niedrige Pflanzen (maximal bis ca. 50 cm), die erwachsenen Tiere sind bis in maximal 1,5m Höhe über Boden zu finden. Die Zecke läßt sich nur in einer einzigen Situation fallen: wenn sie Angst hat, gefressen zu werden. Wenn man also die Vegetation nach Zecken absucht, lassen sich die Tiere gelegentlich fallen, wenn sie ihr Leben retten wollen.

Zecken beißen nicht, sie stechen!

Hat eine Zecke ein Opfer gefunden, klappt sie das Schutzfutteral an ihrem Stechapparat auf und beginnt mit einer Art Säge ("Cheliceren") die Haut des Wirts aufzuschneiden, damit sie ihren Saugrüssel dort versenken kann. Sie sticht also. Zum beißen wären Ober- und Unterkiefer erforderlich, diese wird man bei Zecken vergeblich suchen.

Beim Saugen nimmt die Zecke Blut auf. Dieses wird im Mitteldarm der Zecke konzentriert und überschüssiges Wasser wird wieder abgegeben. Gleichzeitig muß die Gerinnung des Blutes verhindert werden, deshalb spritzt die Zecke gerinnungshemmende Substanzen und das überschüssige Wasser in die Wunde zurück. Bei diesem Vorgang können auch Krankheitserreger übertragen werden.
Für viele Krankheitserreger stellt der Beginn der Blutmahlzeit der Zecke einen Reiz zur Vermehrung dar, wodurch sich das Infektionsrisiko mit der Dauer des Kontakts zwischen Parasit und Wirtsorganismus stark erhöht. Je kürzer also die Zecke saugen kann, um so geringer ist das Risiko für die Übertragung einer Infektionskrankheit!

Holzbock

Beim Hund ist in unseren Breiten der Holzbock (Ixodes ricinus) die häufigste (ca. 90%), bei der Katze die einzige Zeckenart. Die Aktivität beginnt schon ab 7 - 10 Grad Lufttemperatur, vorwiegend von April bis Juni, um dann nach einer Phase geringer Aktivität in den trockenen Sommermonaten im August - Oktober neu anzusteigen. Im allgemeinen bewirkt der Befall in unserem Gebiet bei Hund und Katze keine größeren Schäden wie in den wärmeren Ländern. Meist kommt es nur zu Juckreiz und örtlichen Hautschädigungen.
Zu finden sind an unseren Haustieren die kleinen Larven (ca. 0,5 mm groß, 6 Beinchen), die Nymphen (ca. 1 mm groß, 8 Beinchen) und die noch im Fell krabbelnden erwachsenen Weibchen und Männchen und die schon vollgesogenen und stahlgrauen Weibchen.

Der Lebenszyklus vom Ei bis zur erwachsenen Zecke dauert in unserer Klimazone 1,5 - 2,5 Jahre.
Eine Rolle als Krankheitsüberträger am Tier ist in Deutschland nur in Bezug auf die Borreliose bekannt, das Virus der Frühsommer-Meningo-Encephalitis des Menschen (FMSE) ist für Hund und Katze nicht krankmachend!

 

Braune Hundezecke

Diese Zecke (Rhipicephalus sanguineus) wurde aus den Mittelmeerländern mit Hunden von Touristen eingeschleppt. Sie kann sich in unserem Klima nicht im Freien vermehren, sie setzt sich aber im Wohnungen, Hundehütten oder Stallungen fest. Dann ist aber die Vermehrungsrate sehr hoch, so daß die von Hunden benützen Wohnräume und Hundehütten über lange Zeit von Larven, Nymphen und erwachsenen Zecken übersät sein können. Menschen werden nur selten befallen, die massenhaft wie Wanzen umher krabbelnden Zecken können aber sehr lästig sein, so daß eine Entwesung der Wohnräume notwendig werden kann.

Bei dieser Zeckenart saugen alle Entwicklungsstadien, die vollgesogenen Weibchen sind im Gegensatz zum Holzbock braun gefärbt. Sie verankern sie sich mit ihrem Beißwerkzeug nicht so fest in der Haut, so daß sie relativ leicht entfernt werden können.
Die braune Hundezecke kann auch Überträger der Hundebabesiose sein (Mittelmeerländer: Kleinasien, Griechenland, Nordafrika, Südfrankreich, Spanien, Portugal).

 

Igelzecke

Die Igelzecke (Ixodes hexagonus) lebt meist in den Bauten oder Höhlen von Fuchs, Dachs, Marder und Igel und ist die zweithäufigste Zeckenart bei Hund (und sehr selten bei der Katze). Auffallend ist die Befallsstärke, wenn die Tiere in einem Igelnest stöbern, werden sie in der Regel mit sehr vielen Exemplaren dieser kleinen Zecke befallen.

 

 

Auwaldzecke

Die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) kommt durch den verstärkten Reiseverkehr mit Hunden und der Klimaerwärmung auch in unseren Breiten vor. Sie findet sich fast ganzjährig überwiegend in feuchten Gebieten wie Auwälder und Moore sowie in Laubwäldern.

Sie ist der Überträger der gefürchteten Babesiose des Hundes ("Hundemalaria").

(Das Foto stammt von einem Besuch im Bad Kreuznacher Schlosspark! 2016)